July 2005


Wer hätte gedacht, dass Zeulenroda mal in Australien bekannt wird! Doch jetzt hat es dieser Ort bis in die australische Presse geschafft, dank der Autofahrerin, die mitten in das trainierende Team der australischen Radrennfahrerinnen gerast ist. Nun wird es wahrscheinlich für längere Zeit kein neues Team geben.
Ansonsten Neuigkeiten von den Kartoffeln: es gibt sie wirklich! Diese Woche sind wir unglaublich am Schuften, heute (Freitag) habe ich bereits 48 Stunden gearbeitet (davon muss man noch zweieinhalb Stunden unbezahlte Pausen abziehen). Morgen werden dann noch mal ein paar Stunden dazu kommen. Wenn ich Glück habe, komme ich dann auf 55 Stunden und bin damit zufrieden. Bisher habe ich es nur auf 35 Stunden pro Woche geschafft. Damit war entschieden zu viel Freizeit übrig, der Highlight jeden Abend war der Sonnenuntergang und dann ein leckeres Abendessen. Nun bin ich endlich so beschäftigt, dass nachmittags keine Langeweile aufkommt! Kurzfristig hatte ich überlegt, wie viele andere Leute hier, zu einer anderen Firma zu wechseln (wäre näher an Adelaide gewesen), habe dann aber festgestellt, dass ich nicht mehr genügend Zeit habe, es hätte sich für ca. 1 Woche nicht gelohnt.
Mein Plan ist, noch bis Mitte nächster Woche bei Potato Masters zu arbeiten und dann in die Flinders Ranges aufzubrechen. Von dort aus geht es dann den weiten Weg nach Brisbane, um Lutz am 13. August vom Flughafen abzuholen. Drückt alle die Daumen, dass ihm diesmal nichts dazwischenkommt!

Herzliche Grüsse aus potato country South Australia! Ich bin seit fast einer Woche in Pinnaroo. Das ist inmitten von Nirgendwo. Pinnaroo hat ca. 600 Einwohner. Der nächste Ort mit mehr als einer handvoll Einwohnern befindet sich 40 km oestlich, dieser (Lameroo) ist ungefähr genauso gross wie Pinnaroo. Im Norden ist der nächste Ort (Loxton) 104 km entfernt, das Selbe Richtung Süden. Im Osten liegt ein paar Kilometer weiter die Grenze zu Victoria, der nächste grössere Ort dort ist auch über 100 km entfernt. Pinnaroo selbst hat auch nicht viel zu bieten - in der “Main Street” gibt es einen Supermarkt (immerhin 7 Tage die Woche geöffnet!), eine Drogerie, einen Zeitungsladen, eine Bäckerei sowie zwei Hotels/Pubs. Es gibt einen Golfplatz gleich neben dem Krankenhaus, einen Fussballplatz und Tennisplatz und ein Schwimmbad direkt neben dem Campingplatz (hat aber erst geöffnet, wenn es zu einer bestimmten Tageszeit wärmer als 25 Grad ist. Sprich: im Winter ist hier tote Hose! Sch&oumln ruhig, wenn man ein nettes Haus mit Garten hat, aber wenn man in einem miefigen Wohnwagen wohnt und es zu kalt ist, um sich lange draussen aufzuhalten, ist das ‘ne andere Sache.
Ich wohne also in einem von der Firma (gegen Bezahlung) zur Verfügung gestellten Wohnwagen. Inkl. Heizlüfter (gegen Kaution). Der hilft nicht viel, da ein Wohnwagen nicht besonders gut isoliert ist, aber zum Glück habe ich auch noch zwei Schlafsäcke und zwei Fleece-Decken…
In den letzten beiden Tagen hatten wir strahlenden Sonnenschein, herrlich! Da wird es glatt bis zu 19 Grad warm! Aber sobald die Sonne untergegangen ist, kühlt es schlagartig ab. Bin jetzt auch wieder Schalbesitzer…
Samstag war mein erster Arbeitstag. Körperliche Arbeit kann ja so anstrengend sein! Insbesondere wenn man jahrelang nur an einem Schreibtisch gesessen hat… Meine Arbeit besteht darin, Kartoffeln zu sortieren. Ein bisschen wie Briefe sortieren ;-) Die Kartoffeln werden gewaschen (es gibt eine richtige Waschstrasse!) und rollen dann über ein Förderband auf einem Sortierband an einem vorbei. Je nach Anforderungen des Abnehmers müssen dann Kartoffel aussortiert werden: die zu grossen oder zu kleinen, die grünen, die angeschlagenen… Dazu starrt man auf die Masse von Kartoffeln, die an einem vorbeirollen, und pickt die schlechten raus. Dabei wird man seekrank. Angeblich gibt sich das nach einigen Tagen, ob das in jedem Fall stimmt, kann ich euch nächste Woche sagen! Wie es mein Glück will, ist diese Woche nicht viel zu tun. Nachdem die Arbeitszeit in den letzten Wochen zwischen 40 und 50 Stunden lag, haben wir diese Woche fast jeden Tag nur 4-5 Stunden gearbeitet. Wie soll man denn so zu Geld kommen??? Und was macht man dann in der ganzen Freizeit inmitten von Nirgendwo??? So war das alles nicht geplant! Hoffentlich wird es nächste Woche wieder besser, und die Bauern hier ernten wieder ordentlich Kartoffeln! Und was gibt’s zum Abendbrot…. Zu dumm, dass es in diesem Land keinen Quark gibt! Was gäbe ich nicht für einen leckeren Champignonquark oder Kräuterquark!!