Heute gibt es eine Zusammenfassung meiner Aktivitäten von den Flinders Ranges bis nach Cairns, damit ihr auch wisst, was ich in den letzten Wochen alles erlebt habe… Ach, mit dem Auto durch die Gegend fahren macht Spass (wenn Benzin nicht so teuer wäre, aber zum Glück immer noch billiger hier als in Deutschland - derzeit ca. AUS Dollar 1,30 pro Liter, das macht ca. 80 Euro-Cent). Fast (aber nur fast) wird es mir ein wenig langweilig, wochenlang an einem Ort rumzuhängen. In Townsville habe ich eine Broschüre einer Strecke ins Landesinnere gesehen, das hörte sich alles auch sehr spannend an…
Also, nach dem Wwoofen in den Flinders Ranges habe ich mich am 6. August Richtung Brisbane aufgemacht. Leider war nicht genug Zeit, um Melbourne und die Great Ocean Road mitzunehmen. Meine Strecke betrug so schon 2000 km und der kleine Umweg wären noch einmal 1000km mehr gewesen…
6. 8.: 550 km von Blinman nach Broken Hill. Das alles an einem Nachmittag, denn vormittags war ich damit beschäftigt, noch ein paar schöne Fotos zu machen und mir den Wilpena Pound von Nahem anzusehen. Dabei handelt es sich um ein von der Natur geformtes Becken, das von abgebrochen aussehenden Bergen umgeben ist. Den Pound kann man nur zu Fuss oder mit einem Bus besichtigen. Den Shuttle-Bus vom ausserhalb gelegenen Resort hatte ich leider gerade um 10 min verpasst. Ausserdem musste ich ja noch 500 km fahren… Schade eigentlich, dass ich nur begrenzt Zeit hatte!
7.8.: die Mammut-Tour - 720 km an einem Tag! Morgens habe ich ganz schnell die Main Street von Broken Hill erkundet. Broken Hill ist eine Bergarbeiterstadt im Norden New South Wales, mitten im Outback und staubtrocken. Die Stadt wird vom Bergbau dominiert, man kann auch Touren durch eine Silbermine u.a. machen. Eine hübsche Stadt und in der gleichen Zeitzone wie South Australia (eine halbe Stunde “hinter” dem Rest NSWs), da Broken Hill näher an Adelaide als an Sydney liegt. Die weitere Strecke führte durch die unendlichen Weiten des australischen Outbacks - rote Erde, kleine Büsche, wenig Wasser. Die ersten Blumen beginnen zu blühen. Kurz vor meinem Zielort Narromine (bei Dubbo) ändert sich die Landschaft schlagartig, denn die Stadt liegt an einem Fluss und die Vegetation ist dementsprechend üppig.
8.8.: 250 km nach Armidale. Von Dubbo aus zweigte der Highway nach Norden ab. Obwohl ich in Versuchung war, einfach nach Sydney weiterzufahren, denn das war nur noch ca. 500 km entfernt. Aber keine Zeit! Also bin ich durch New England Richtung Armidale gefahren. Die ganze Region ist von Landwirtschaft dominiert. Leider herrscht eine üble Dürre und man sieht es den Feldern und Wiesen an -alles ist ziemlich grau und braun. Plötzlich ist es auch ganz schön voll auf den Strassen! Kurz hinter Dubbo habe ich meine ersten Sulphur-Crested Cockatoos gesichtet. Ein Teil der Strecke ist der “Fossicker’s Highway”, man kann an zahlreichen Orten selbst nach Edelsteinen suchen. Da ich leider keine Ahnung habe, wie man sowas anstellt und wonach man suchen muss, musste ich mir das für später aufheben. Stattdessen habe ich die neu-englische Landschaft genossen (sie haben da tatsächlich Bäume, die im Winter ihre Blätter verlieren, und so sah alles SEHR nach Winter aus. Dementsprechend kühlte es nachts auch auf minus 7 Grad ab, aber zum Glück hatte meine Unterkunft eine eingebaute Heizung.
9.8.: Zunächst eine Stadtbesichtigung. Armidale sieht tatsächlich aus wie eine kleine Stadt in England. Mit “echten” Kirchen, Backsteinbauten, etc. Von Armidale aus bin ich weiter über den “Waterfall Way” Richtung Küste gefahren, 80 km. Am Waterfall Way gibt es zahlreiche Nationalparks, von denen ich zwei besichtigt habe. Wie der Name sagt, gibt es überall Wasserfälle zuhauf. Habe den grössten besichtigt, dank der Trockenheit im Moment tröpfelte leider nur ein wenig Wasser die Felswand hinunter. Der zweite Park bestach durch die riesigen Granitfelsen, die überall in der Landschaft liegen / stehen. Schöne Wanderwege. Man hätte weitere Nationalparks besichtigen können, wenn man Richtung Norden fährt, aber wieder: keine Zeit. Also ab nach Bellingen.
10.8.: Bellingen liegt hinter einem Berg (am Fusse der Great Dividing Range) und wirkt wie ein anderes Universum. Plötzlich ist alles subtropisch, das Klima, die Vegetation, alles blüht und ist grün. Die Strasse, die von Westen aus nach Bellingen führt, ist auch toll: 18 km lang übelste Serpentinen bergab! Die Aussicht, da wieder hochzufahren, hat mich fast davon abgebracht, aber dennoch habe ich den Dorrigo National Park besucht, der auf dem Berg liegt. Hier kann man bereits Regenwald besichtigen, und von einem Aussichtspunkt aus sogar bis zum Meer (35 km) schauen. Habe den Tag mit wandern verbracht und das vergleichsweise warme Wetter genossen. Abschliessend wollte ich eine schöne Tasse Tee im Cafe dort oben trinken, ging aber leider nicht wegen Stromausfall wegen Sturm. Also wieder die Serpentinenstrasse hinunter zurück zur Jugendherberge. Habe dort fast nur Deutsche getroffen, abends hatten wir dann einen deutschen Stammtisch. U.a. Mutter und Tochter aus der Gegend von Halle. Tochter gerade mit der Schule fertig, und ratet mal, was das Kind studieren will: u.a. Politikwissenschaft! Mutti war glaube ich nicht so begeistert, als ich von meinem Studium erzählt habe. Habe ihr dann noch meinen Schal geschenkt, denn sie fuhren nach Süden weiter und ich nach Norden, Schal ade!!
11.8.: Von Bellingen ging es weiter zur Küste und dann nach Byron Bay. Habe mir zunächst Coffs Harbour angeschaut, 30 km von Bellingen entfernt. Ach, endlich wieder Meer! Zwei Monate nachdem ich Perth verlassen habe, um an die Ostkäste zu fahren, und mehr als 8000 km später. Byron Bay war so schön (siehe Fotogallerie, der Sonnenuntergang war atemberaubend)! Die partygeilen Backpacker dort haben meine Freude leider etwas geschmälert. Bin extra in einem Hostel abgestiegen, das ziemlich weit vom Strand entfernt war, und hatte ein Dreibettzimmer für mich ganz alleine, aber prompt waren ein paar irische Tussis zur Hand, die nachts um zwei besoffen zurückkamen und erstmal lautstark miteinander geredet haben. Können die Leute nicht zu Hause bleiben, wenn sie sich besaufen wollen? Wenn sie eh am nächsten Tag erst nachmittags mit Kopfschmerzen aufstehen, haben sie eh nichts von der schönen Landschaft!
12.8.: Nichts wie weg aus Byron Bay und auf zur Zielgeraden: Brisbane. Lutz kommt am 13.8. dort an. Unterwegs bereits die ersten Anzeichen, dass die Tropen nicht mehr weit weg sind: Bananenplantagen und Zuckerrohrfelder, riesige Gummibäume und ein laues Lüftchen. Leider musste ich feststellen, dass in Brisbane gerade die grösste Messe des Jahres stattfindet. Dementsprechend waren alle Hotels total ausgebucht. So habe ich weiter südlich an der Sunshine Coast nach einer Unterkunft gesucht (und sie gefunden - ein schönes Appartment mit zwei beheizten Pools in der Anlage). Die Sunshine Coast ist bestimmt die hässlichste Küste Australiens - alles total zugebaut mit riesigen Bettenburgen, könnte auch in den USA sein. Das positive dabei ist, dass kein Mangel an Hotels herrscht! Leider war ich so immer noch 130 km von Brisbane entfernt, aber was solls. Global gesehen ist das ja ein Katzensprung.
13.8.: Lutz vom Flughafen abgeholt. Juchu! Der musste sich erstmal ein bisschen von dem anstrengenden Flug erholen. Also haben wir es langsam angehen lassen. Am nächsten Tag haben wir einen Zoo in der Nähe besucht und die zu erwartenden australischen Tiere gesehen. Die Kängurus liessen sich hinterm Ohr kraulen (umsonst), während man für ein Koala-Foto viel Geld hinblättern musste. Wir haben uns diese Tierchen dann lieber so angeschaut, und es haben sich sogar einige bewegt! Ein unglaublicher Zufall, wenn man in Betracht zieht, dass sie 22 Stunden pro Tag lethargisch im Baum hängen, um zu verdauen!
15.8.: Lutz und ich sind mit kurzem Zwischenstopp in Brisbane ein Stück die Küste hochgefahren. Am 16.8. und 460 km später sind wir in Hervey Bay angekommen, dem Tor zu Fraser Island. Wir haben uns für drei Nächte dort einquartiert und Ausflüge gebucht. Der erste Ausflug war eine Whale Watching Tour. Die Wale waren echt nett und haben eine gute Show abgegeben (siehe Fotos). Blöd, dass alle die Wale fotografiert haben und keiner die 100 Leute, die mit ihren Fotoapparaten an der Reeling hingen! Kaum hatte das Boot umgedreht (ach, der Wal hält wohl gerade Mittagsruhe), sprang das Tier voll aus dem Wasser (juchu, endlich sind die blöden Touristen weg!). In Hervey Bay haben wir auch zum ersten Mal eine australische Ebbe erlebt - sie steht der an der Nordsee oder an der franz. Atlantikküste um nichts nach. Man kann sehr weit laufen, bis man mal knietief im Wasser steht. Lutz war nicht zu halten und trotzdem schwimmen. Die Delfine kamen leider erst später vorbei.
18.8.: Heute haben wir einen Ausflug nach Fraser Island gemacht. Da wir zugegeben hatten, Deutsche zu sein, hatten wir einen deutschsprachigen Tourguide. Henning. Gruselig! Die ganze Tour über hat er in einem sehr merkwürdigen Tonfall Mist erzählt, und das gleich zweimal: erst auf Englisch für die Australier und dann auf Deutsch (wir waren aber nicht die einzigen Deutschen an Bord). Fraser Island als Tagestour ist glaube ich ziemlich überflüssig. Wir haben die “Must-See” Sehenswürdigkeiten abgeklappert (Elie Creek, ein wunderschöner kleiner Fluss und das Schiffswrack) und dabei mindestens 5-10 andere Tourbusse getroffen. Das wir es dennoch geschafft haben, Fotos zu machen, auf denen kein einziger Mensch zu sehen ist, ist an sich ein Wunder. Die Regenwaldwanderung bestand darin, 10 Minuten lang die Sandstrasse entlang zu gehen, während unser Minibus bereits vorgefahren war. Abschliessend haben wir noch einen See besucht, leider reichte die Zeit nicht aus, um einmal rumzulaufen. Die Rückfahrt zur Fähre wurde zur Tortur, 120 km im 4WD-Bus über holprige Sandpisten bei Tempo 60-80, damit wir die Fähre nicht verpassen. Und Henning hat nicht eine Minute lang die Klappe gehalten.
19.8.: Weiter gings nach Norden auf dem Weg zu den Whitsunday Islands. Die Tagesetappe betrug 350 km und endete in Clearview, wo wir zum Glück mitten im Dunkeln die einzige Unterkunft (Campingplatz) gefunden haben. Tolles Highlight war die Lorikeet-Fütterung am nächsten Morgen: Dutzende der kleinen bunten Papageien machten sich kreischend über bereitgestelltes Futter her.
20.8.: Nach weiteren 300 km Ankunft in Airlie Beach, dem Tor zu den Whitsunday Islands. Hier mussten wir erstmal eine Unterkunft für die Nacht finden und dann noch einen passenden Ausflug zu den Whitsundays zum Last-Minute-Tarif. Wir haben uns für South Molle Island entschieden, wohin wir am nächsten Tag per Boot gefahren sind. Die Insel besitzt nur ein einziges Ferienresort und besteht ansonsten aus einem Nationalpark mit zahlreichen Wanderwegen und malerischen Aussichtspunkten. Wir hatten einen Bungalow direkt am Strand. Das Hotel hatte eine vielfältige Vogelwelt zu bieten: Kakadus, Lorikeets, und andere Vögel versammelten sich abends am Swimmingpool. Lutz konnte sich kaum aufs Schwimmen konzentrieren. Nach Anbruch der Dunkelheit dominierten die Curlews: langbeinige Reiher, die sich in Gruppen zusammenrotteten und markerschütternde Schreie ausstiessen. Einige haben uns auch auf unserer Terasse besucht.
Von der Insel aus haben wir zwei Tagesausflüge gemacht. Einen Ausflug zum Great Barrier Reef - drei Stunden mit einem Schnellboot bis zu einer Plattform, die permanent am Aussenriff verankert ist. Von der Plattform aus hat man zahlreiche Möglichkeiten, sich den Tag zu vertreiben. Wir haben uns zunächst für einen Helikopterrundflug entschieden. Das war cool! Das Riff von oben zu sehen ist echt atemberaubend. Wir sind auch über das bekannte Herzriff geflogen. Von oben konnte man sogar Wale, Schildkröten und Rochen sehen. 20 Minuten waren leider sehr schnell vorbei. Lutz hat anschliessend einen Schnuppertauchgang gemacht, während ich schnorcheln gegangen bin. Der Seegang hatte zugenommen und mir wurde beim schwimmen richtig übel. Gut, dass ich die Superpep Kaugummis dabeihatte! Auf der Rückfahrt war bestimmt der Hälfte der Passagiere übel, da der Wind und damit die Wellen zugenommen hatten.
Das Wetter, das sich ankündigte, blieb leider auch in den nächsten Tagen so. Einen Tag haben wir mit Wandern verbracht, bevor wir noch einen Bootsausflug gemacht haben. Ein Segeltörn durch die Whitsundays bei Regen! Zum Glück hat es aufgehört, kurz bevor wir am berühmten Whitehaven Beach angekommen sind. Aber man sollte doch vorher recherchieren, was man genau fürs Geld bekommt: Der auf Fotos immer so schön einsam aussehende Strand war voller Menschen, es ankerten ca. 60 Segelboote in der Bucht. Ausgerechnet an diesem Tag war die alljährliche Strandparty angesagt, mit Bierzelt und allem drum und dran. Ausserdem bekamen wir natürlich nicht die Gelegenheit, den Teil des Strandes zu sehen, wo ein Fluss ins Meer mündet und malerische Sandbanken bildet. Wir waren natürlich genau am anderen Ende des 8 km langen Strandes. Wir hatten genau 25 Minuten, die Lutz wiederum für ein Bad im Meer nutzte. Der Trip wurde auch später nicht besser, als wir noch einen kurzen Schnorchelgang gemacht haben. H&auuml;tten wir uns schenken können!
Alles in allem war es aber sehr schön, Lutz hat sich gut erholt (oder???), das ist ja die Hauptsache. Zwei Tage später habe ich ihn am Flughafen in Townsville (300 km nördlich) abgesetzt, damit er zurück nach Brisbane fliegen konnte. Dank der Billigfluglinien kann man sehr günstig fliegen, warum soll man also für mindestens doppelt soviel Geld im Zug oder Bus sitzen und 10 mal so lange unterwegs sein??
Nun musste ich also allein weiterfahren, schnüff! Einziger Lichtblick: die “echten” Tropen warten! Am 29.8. bin ich von Townsville aufgebrochen (Townsville selbst ist ja so hässlich, das einzige gute ist ein grosses Shoppingcenter). Auf dem Weg nach Cairns habe ich noch einen Zwischenstopp in Mission Beach eingelegt. Habe mir kurz Tully angeschaut und überlegt, ob ich einen Job in der Bananenindustrie annehmen sollte, aber die zwei Hostels in Tully waren nichts für mich. Bananen scheinen ziemlich anstrengend zu sein, und sie boten auch nur eine 35-Stunden-Woche an, also kaum die Gelegenheit, Geld zu sparen.
Die Landschaft wurde richtig spannend, hohe Berge, die mit Regenwald bedeckt waren, ein bisschen wolkenverhangen dank des ungewöhnlich regnerischen Winters. Feuchtwarme Luft, tropische Früchte überall… das müssen die Tropen sein! Wenn ihr in der Gegend seid, besucht unbedingt den Paronella Park (www.paronellapark.com.au)! Ein spanischer Einwanderer hat in den 20er Jahren seinen Traum verwirklicht und im Inland an einem Wasserfall einen märchenhaften Park angelegt, mit zahlreichen phantasievollen Gebäuden, einer Badestelle und einem tollen Garten. Fast alles hat er selbst gebaut! Heute hat es einen etwas verfallenen Charme, aber unser Tourguide hat uns mit der Beschreibung von damals richtig mitgerissen! Im Park hatten sie sogar gerade einen Job zu besetzen, aber leider nur 20 Stunden die Woche, also auch nichts für mich. So bin ich weiter nach Cairns gefahren… (Fortsetzung folgt)