Da bin ich mal wieder. Ich kann nicht glauben, dass ich erst 5 Wochen jobbe, es kommt mir vor wie ewig! Das mag daran liegen, dass mein Arbeitstag meist 11-12 Stunden lang ist, morgens um 5 raus, abends um 7 wieder zu Haus (oder später, da man ja auch noch was zu essen braucht oder mal frische Luft…). Die gute Nachricht ist: ich werde sicher nicht traurig sein, wenn mein Job hier zu Ende ist (Anfang Februar)! Erkältet war ich auch noch letzte Woche und habe einen Tag Arbeit verpasst.
Seit meinem letzten Posting habe ich nicht viele Erdbeeren eingepackt. Es ist irgendwie eine frustrierende Arbeit. Nachdem ich meine Frustration zum Ausdruck gebracht habe, werde ich nur noch für Jobs eingesetzt, die stundenweise bezahlt werden. Was einerseits gut ist, andererseits sind die Assi-Jobs manchmal nicht weniger frustrierend. Es gibt ja immer so Leute auf Arbeit, mit denen man nicht so gut kann, und davon gibt es auch hier einige! An manchen Tagen arbeite ich ausserhalb der Packhalle, was bedeutet, dass ich nur ab und zu Menschen sehe und Glück habe, wenn mir jemand bescheidgibt, dass jetzt Kaffeepause ist.
Neulich gab es sogar einen Streik! Die Erdbeerfarm ist ein Familienbetrieb, was heisst, dass der Besitzer und seine Tochter fast den ganzen Tag “Wache” halten und mitarbeiten. Da muss man schon aufpassen, was man tut und wie schnell man arbeitet, und wenn Mick schlecht gelaunt ist, gibt es schon mal häufiger einen Anranzer. Nikki hat dafür immer ganz tolle Verbesserungsvorschläge. Da die Packer nach Kilo bezahlt werden, wollen sie natürlich so schnell wie möglich machen, was bedeutet, dass die Erdbeeren schon mal gnadenlos in die Schale gepresst werden. Matschige oder beschädigte Erdbeeren gehören aber nicht hinein und deswegen gibt es auch Qualitätskontrollen. Die Quote der zurückgewiesenen Packungen war in den letzten Wochen sehr hoch, was Nikki zu noch rigoroseren Kontrollen und Verbesserungsplänen brachte. Daraufhin wurde kurzentschlossen das Tragen von Plastikhandschuhen verboten (damit die Mitarbeiter die Erdbeeren besser anfassen können, ohne sie zu zerquetschen). Einen Tag ohne Handschuhe, und die Packer haben nach der Mittagspause die Arbeit niedergelegt, da ihre Hände unakzeptabel dreckig waren. Es gab lange Diskussionen und Versammlungen … anscheinend wie jedes Jahr wieder sammelte Nikki Verbesserungsvorschläge ein, um die Qualitätsprobleme zu reduzieren… nun dürfen sie wieder Handschuhe tragen, allerdings nur die medizinischen Latexhandschuhe und nicht die Plastikhandschuhe, die länger halten.
Gerüchteweise habe ich schon gehört, dass die Stimmung immer schlechter wird, je weiter die Saison fortschreitet. Dann giften sich die Leute (hauptsächlich Frauen) gegenseitig an - die eine sucht sich die Kisten mit Erdbeeren raus, die am besten aussehen (verboten), die andere stellt ihre leeren Kisten nicht richtig auf die Palette (verboten), die dritte sortiert die kleinen Erdbeeren in den Abfall statt in die Schale, was natürlich schneller geht (richtig geraten - verboten!). Gestern musste ich dann auch schon mal etwas Rumgezicke ertragen, als eine Studentin sich partout weigerte, die von ihr gepackte und von mir reklamierte Packung Erdbeeren wieder abzuholen. Nachdem ich sie viermal umsonst aufgefordert hatte, war ich schon etwas aggressiv, bin kurzerhand zur Aufseherin gegangen und habe diese gebeten, die Schale zurückzugeben. Ich hoffe, sie hat ordentlich eins auf den Deckel bekommen!! Blöde Kuh. Die verdient bestimmt doppelt so viel am Tag wie ich und denkt sich, sie ist zu gut, um die eigenen Fehler auszubügeln. Gut, dass ich hier nicht lange bin und mir deswegen keine Freunde machen muss ;-)
Seit einer Stunde bin ich Besitzerin eines Fahrrads! “Meine” Bibliothekarin Val hat mir eins auf dem Wochenendmarkt erstanden, nachdem ich die letzten Wochen vergeblich nach einem billigen Rad gesucht habe. Die kurzen Wege hier zum Einkaufen oder zur Bank verbrauchen eindeutig zu viel Sprit! Für 5 Dollar könnt ihr euch vielleicht vorstellen, wie es aussieht, keine Gangschaltung oder so, aber es soll mich ja auch nicht so weit fahren. Luftpumpe und Helm hat sie mir auch gleich noch geborgt (es ist hier Pflicht, einen Helm zu tragen, Licht braucht man aber nicht haben, solange man nur tagsüber unterwegs ist). Also, wenn ihr jemals im Ausland seid und Hilfe braucht, geht mal in die Bibliothek, da gibt es viele hilfsbereite Menschen!
Lutz und Ivo sind inzwischen in Sydney, ich habe ab Samstag eine Woche frei und werde mit ihnen die Great Ocean Road entlangfahren!
So, meine Computerzeit ist um, viele Grüsse aus Rosebud West!!