Mann, was ich alles wieder verpasse! Bei euch in Deutschland ist anscheinend voll der Winter ausgebrochen! Schnee und Eis satt, und ich habs verpasst! Soviel schneit es in Berlin bestimmt in den nächsten zehn Jahren nicht mehr. Wünsche euch viel Spass beim Schneemannbauen und Rodeln und heisse Bäder nehmen.
Ich für meinen Teil erlebe mal einen australischen Sommer (endlich). Vorgestern waren es hier 42 Grad. Der Wind nachmittags war ziemlich heiss. Nach einer dreiviertel Stunde arbeiten in einer unklimatisierten Halle der Farm brauchte ich dringendst Abkühlung. Gut, dass die Erdbeeren bei ca. 1 Grad gekühlt werden, das war eine wahre Erfrischung (in der Kältekammer stehen). Abends kamen Wolken auf, und hier an der Küste kühlte es schlagartig ab. Nach der Arbeit wollte ich mich beim Schwimmen erfrischen, die Wassertemperatur war jedoch schlagartig auf ca. 25 Grad gestiegen. Dank dem Wind fühlte es sich plötzlich im Wasser wärmer an als draussen.
Heute waren es nur knapp über 20 Grad. Morgen jedoch sollen es wieder über 30 werden, was sich bereits dadurch ankündigt, dass die Bewölkung verschwunden ist und es seit 15 Uhr deutlich wärmer geworden ist.
Nur noch zwei Wochen arbeiten! Heute war ein ziemlich guter Tag, da der Besitzer, Mick, mich nicht einmal darauf hingewiesen hat, dass ich irgendwas falsch mache/nicht mache/mache, was ich nicht soll. Auf die Frage meiner Chefin in der Kaffeepause, ob ich sie vermissen werde, habe ich spontan mal Nein gesagt. Wenn ich anschliessend weiter durchs Land reise, werde ich bestimmt gaaaaanz traurig sein und denken “Schade, dass ich jetzt nicht irgendeine Idiotenarbeit auf der Erdbeerfarm mache…”. Zur Strafe hat meine Chefin angedroht, mich nur noch die idiotischsten Arbeiten machen zu lassen. Sie war ziemlich entsetzt, als ich antwortete “Ich dachte, die mache ich schon.” Zum Glück hat sie etwas Humor. Trotzdem habe ich ihr lieber nicht erzählt, was mir neulich passiert ist, als ich das Telefon beantworten musste: Die Person am anderen Ende sagte “Hi, Gaye (Name meiner Chefin), this is…. ” und fing hektisch an zu reden. In dem Moment konnte ich nur sagen “I’m not Gaye”. Get the joke? Bis bald!
Heute mal wieder ein kleines Update von mir. Kinder, wie die Zeit vergeht…
Lutz und sein grosser Bruder Ivo waren drei Wochen zu Besuch (und haben vorher einige Tage in Sydney verbracht). Ich habe mir die Woche vor Weihnachten freigenommen. Direkt vom Flughafen haben wir die Great Ocean Road angesteuert. Da ich fahren musste, konnte ich die Ausblicke von der Strasse aus leider nicht so geniessen wie meine Beifahrer, aber wir haben natürlich unterwegs fast jeden Aussichtspunkt mitgenommen und reichlich Fotos gemacht.
Zunächst haben wir einige Nächte in einer Jugendherberge in Apollo Bay verbracht. Brandneu, erst im November eröffnet, was für ein Luxus!! Das Wetter war in den ersten zwei Tagen leider nicht so toll, es hat oft geregnet und war recht stürmisch, so dass wir die grossartigen Strände nur wenig erkundet haben. Einen halben Tag haben wir uns auf die Suche nach Koalas gemacht… die waren auch nicht schwer zu finden nach dem Tipp im Lonely Planet. Die hingen an der Strasse einfach so in den Bäumen rum!! Ganze Touristenbusse haben an dieser Strasse Halt gemacht, um die armen Tierchen vorzuführen – ob die zu müde sind, um gestresst zu sein, oder ob man es ihnen nur nicht anmerkt? Ein Wunder, dass niemand versucht hat, zu dem Koala auf den Baum zu klettern!
Wir haben den Regenwald in der Gegend erkundet, sehr schöne Wanderwege haben die, aber warum muss es eigentlich immer bergauf/bergab gehen? Ist Australien nicht angeblich der flachste Kontinent? Da zeigt sich mal wieder, wie relativ alles ist!
Nachdem wir froh waren, unsere dicken Pullover dabeizuhaben, gab es am dritten Tag gleich mal einen extremen Wetterwechsel, plötzlich waren es 30 Grad im Schatten und praller Sonnenschein. Just an diesem Tag haben wir uns die 12 Apostel und die nahegelegenen Sehenswürdigkeiten London Arch und Blowhole angeschaut. Wer denkt, die Apostel liegen in idyllischer Einsamkeit, hat sich gewaltig getäuscht. Es gibt einen riesigen Parkplatz, einen Tunnel unter der Strasse durch, und massenweise japanische Touristen. Man musste quasi mit den Ellenbogen kämpfen, um sich auch mal ans Geländer stellen und ein schönes Foto machen zu dürfen.
Zwei weitere Nächte haben wir am Ende der Great Ocean Road verbracht, in Port Fairy. Dort habe ich noch schnell ein paar Weihnachtseinkäufe erledigt und meine Weihnachtskarten zur Post gebracht, während Lutz und Ivo sich ein wenig vom Reisestress erholt haben. Ausserdem haben wir uns auf die Suche nach Wildlife gemacht und zum Sonnenuntergang ein paar Kängurus und Koalas beobachtet. Spontan entschlossen wir uns, die letzte Nacht in den Grampians zu verbringen – 200 Kilometer Entfernung sind ja schliesslich nichts in Australien!
In Halls Gap mitten in den Bergen hätten wir auch gern noch ein wenig mehr Zeit verbringen können! Nicht nur, dass die Jugendherberge auch super ausgestattet war, dort gab es auch Wildlife satt direkt vor der Haustür. Schwärme von Kakadus in den Bäumen – abends und morgens gab es ein Riesengeschrei. Es müssen im ganzen Ort über tausend Vögel gewesen sein. Kängurus gab es abends direkt auf der Wiese hinterm Ausgang. Ein Opossum turnte auch im Baum rum, allerdings konnten wir es nicht so gut sehen.
Am 23. Dezember war ich dann wieder arbeiten, bei uns war nur der 25. frei. Viel zu kurz, bei mir kam gar keine Weihnachtsstimmung auf. Eigentlich wollte ich nur schlafen! Das Weihnachts-BBQ habe ich aber voll genossen! Mehr später, die Bibliothek schliesst gleich!