March 2006


Ich bin wieder in den Tropen angekommen! Und da es die Wet Season ist, regnet es hier ordentlich!

Nachdem ich Alice Springs verlassen habe, bin ich also weiter nach Norden gefahren. Zum fünften Mal auf meiner Reise habe ich den Wendekreis des Steinbocks überquert, die offizielle Grenze der tropischen Zone. Bereits in Alice war es ziemlich wolkig gewesen und man konnte deutlich sehen, dass es in der Gegend in letzter Zeit öfter mal geregnet hatte. Fast alle Flussläufe am Highway, die normalerweise trocken sind, waren mit Wasser gefüllt. Je weiter man nach Norden fuhr, desto mehr änderte sich die Vegetation: grünes Gras, grössere Bäume, Blumen am Strassenrand. Aufregend! In Tennant Creek war es dann schon ziemlich feuchtwarm, und Millionen von Insekten waren in der Nacht unterwegs. Grashüpfer, Motten, Käfer (brauche wohl die Schaben nicht zu erwähnen, oder?). Die Übernachtung in der ziemlich heruntergekommenen Jugendherberge war entsprechend ungemütlich, das Zimmer beherbergte eine grössere Zahl toter und lebender Insekten und die Klimaanlage (ohne Ausschalter) spuckte Insektenreste auf das obere Bett (habe natürlich unten geschlafen…war es Zufall, dass sonst keiner dort übernachten wollte??).

Tennant Creek als Stadt kann ich nicht weiterempfehlen, ich habe nichts sehenswertes entdecken können, und die Horden von Aborigines, die am Abend brüllend und trinkend durch die Strassen gelaufen sind, wirkten auch nicht besonders einladend.

Schnell weiter! Mittags begann es zu regnen. Nach ca. 350 km hörten die flachen niedrig bewachsenen Ebenen auf und links und rechts der Strasse gab es grüne Wälder und sumpfige Wiesen mit 2 m hohem Gras. Mataranka, ein kleiner Ort auf dem Weg nach Darwin und umgeben von Monsunwädern und Flüssen, war meine zweite Station. Die Mataranka Homestead mit Backpacker-Unterkunft liegt direkt an den Thermalquellen. Und dank der Wet Season waren fast keine Touristen da und ich hatte den Thermalpool abends für mich allein. Das Wasser hat eine Temperatur von 34 Grad, was einem bei 36 Grad Aussentemperatur FAST wie eine Abkühlung vorkommt! Abends habe ich noch ein paar Frösche gejagt: ein toller grosser grüner Baumfrosch lebte unter der Treppe, ein kleiner brauner Baumfrosch über dem Waschbecken und ein weiterer Frosch mit roten Augen hüpfte die Treppe rauf und runter. Süss!!! In meinem Zimmer habe ich zum Glück keine nennenswerten Tieransammlungen gefunden.

Morgens habe ich einer weiteren Quelle einen Besuch abgestattet, ein malerisches palmengesäumtes Flüsschen. Die Ozzis haben es sich nicht nehmen lassen, zwei bequeme Treppen einzubauen, damit man ohne Probleme ins Wasser kommt. Das Schwimmen war sehr entspannend, und ich fühlte mich definitive erfrischt, bis ich wieder draussen und trocken war und zu schwitzen anfing… Die einzigen anderen zwei Leute vor Ort waren natürlich Deutsche!

Am Freitagnachmittag bin ich dann in Batchelor angekommen. Dieser Ort liegt 80 km südlich von Darwin am Eingang zum Litchfield National Park, einer der beiden bekanntesten Parks im NT. Die Parkattraktion ist eine Reihe von idyllischen Flüssen und Wasserfällen, und die meisten davon sind krokodilfrei und damit zum Schwimmen/Abkühlen geeignet. Ich habe bereits einige Wasserfälle besucht, das Schwimmen ist sehr angenehm, und dank des stetigen Regens geht eine Menge Wasser den Bach bzw. die Wasserfälle runter! Die Sonne scheint im Moment kaum und an den meisten Tagen regnet es häufig, so dass es nicht allzu heiss und unangenehm ist. Die Temperatur liegt bei ca. 30 Grad tagsüber und 25 Grad nachts. Wenn die Sonne scheint, steigt die Luftfeuchtigkeit schlagartig auf ein unangenehmes Level an. Und man vergisst nie, dass gerade Regenzeit ist. Alles ist klamm, das Bettzeug, Klamotten, alles! Heute hatte ich zum ersten Mal seit Wochen wieder lange Hosen an, es wurde doch reichlich frisch (25 Grad), weil es den halben Tag geregnet hat und die Sonne überhaupt nicht schien!

Hier in Batchelor wwoofe ich bei Doug und Colleen. Sie haben nicht wirklich irgendwas mit organischer Landwirtschaft zu tun. Sie trocknen tropische Früchte wie Mango und Ananas und verkaufen sie portionsweise auf dem Markt in Darwin. Ausserdem stellen sie selbst Eiskrem her (kann ich jetzt auch, lecker, böse Falle!!!). Nebenbei unterhalten sie den örtlichen Waschsalon, und Colleen arbeitet in der Bücherei. Doug ist mehr so ein Hans-Dampf-in-allen Gassen und sucht nach Wegen, möglichst einfach möglichst viel Geld zu machen. Er hat ganz tolle Vorschläge, wie ich in Deutschland Geld verdienen kann. (Früchte trocknen, Schmuck verkaufen -ein Typ auf dem Markt in Darwin macht über 5000 Dollar pro Tag mit dem Verkauf billigen Schmucks-, Filme auf dem Campingplatz zeigen -Doug hat 500 Dollar pro Abend verdient-, Pizza verkaufen -der Stand auf dem Markt macht mindestens 800 Dollar pro Tag-… besonders erfolgreich, wenn man sich nicht um Gewerbeschein, Steuern oder Copyright kümmert!

Hier bleibe ich noch bis Freitag, dann steht Kakadu National Park auf dem Programm, anschliessend geht es weiter nach Westaustralien!

Angekommen im Northern Territory!!! Seit meinem letzten Eintrag verlief mein Leben wie folgt:
Habe in der Nähe von Jamestown am Fusse der Flinders Ranges 10 Tage gewwooft bei Ian und Kay. Das war wieder länger als beabsichtigt, aber es war so schön da und es gab so viel zu tun! Die beiden haben eine bio-dynamische Farm und bauen Getreide an und halten mehrere hundert Schafe. Das Haus war ca. 25 km von der “Stadt” entfernt. Die Nachbarn mindestens 2 km entfernt. Um das Haus herum gab es nur Stille, den Wind in den Bäumen und ab und zu mal Schafgeblöke. So schön! Endlich war es auch angemessen heiss, und zwar ständig, und nicht nur für ein oder zwei Tage.
Ich habe unter anderem auf der Farm geholfen Zäune aufzustellen, bin einen Tag Traktor gefahren und habe ein Feld gepfluegt, habe ein Lamm eingefangen… Am Donnerstag war in der Stadt Schafmarkt, ein grosser Markt, auf dem mehr als 25000 Schafe angeboten wurden und Leute von weither kommen, um zu verkaufen bzw. zu kaufen. Kay hat mich mitgenommen, damit ich sehen kann, wie das so funktioniert, und um nicht umsonst dorthin zu fahren, hat sie gleich noch ein paar Lämmer gekauft! 69 Stueck zu je 18 Dollar. Das ist nicht viel, die Lämmer waren sehr dürr und deswegen wollte keiner mehr Geld dafür bieten. Nun werden die Tiere aufgepäppelt und dann später an den Schlachter verkauft. Alles war sehr spannend. Abends haben wir die Schafe mit dem Trailer abgeholt und sie haben zum ersten Mal in ihrem Leben gruenes Gras gesehen… Wäre ich noch länger geblieben, hätte ich beim Schafe scheren zusehen und bestimmt auch mal Hand anlegen können, aber das wollte ich den armen Tieren dann doch nicht antun!
Letzten Montag bin ich schliesslich zu meiner letzten grossen Australien-Etappe aufgebrochen. Zunächst nach Coober Pedy (750 km). Dort habe ich in einem Hostel unter der Erde gewohnt, was sehr angenehm war. Bei 40 Grad über der Erde brauchte ich mittags dringend ein kühles Plätzchen zum Ausruhen. Unter der Erde sind es konstant 20-25 Grad. Natürlich gab es kein Halten und ich musste auf dem öffentlichen Feld nach meinem eigenen Opal suchen. Ich habe sogar ein paar klitzekleine Steine gefunden, einer funkelt recht schön! Danach war ich aber völlig fertig!
Nach zwei Nächten ging es weiter zum Ayers Rock a.k.a Uluru. Habe kurz vorher übernachtet, da es doch zu weit war (Tagesetappe: 800 km). Am nächsten Morgen war das Ayers Rock Resort dann nur noch 100 km entfernt. Wie erwartet war es sehr heiss. An dem Tag waren es 40 Grad im Schatten. Furchtbar. Kaum war die Wasserflasche weggepackt, war ich wieder durstig.
Uluru und die Olgas (Kata Tjuta) zu sehen war wirklich beeindruckend. Da steht einfach so ein roter Felsen mitten in der Sanddünenlandschaft!! Natürlich habe ich den Sonnenuntergang gesehen und den Sonnenaufgang am nächsten Tag (freiwillig um halb sechs aufgestanden). Spontan habe ich beschlossen, eine zweite Nacht zu bleiben, um auch die Olgas sehen zu können. Davon war ich aber ein bisschen enttäuscht, da man fast gar nicht direkt rankommt. Nur zwei Wanderwege am einen Ende der Felsengruppe gibt es, den einen habe ich der Hitze wegen nicht gemacht, und der andere führte in eine Schlucht und war ganz nett, aber man hat den Rest der Felsen von dort nicht sehen können.
Gestern morgen habe ich dann noch den Uluru umwandert. Einige Irre sind ja auf den Felsen hochgeklettert (ab 11 Uhr war der Aufstieg wegen der Hitze gesperrt). Mir hat das Umwandern (ca 10 km) schon gereicht. Morgens um acht waren es schon an die 30 Grad, und je höher die Sonne stieg, desto heisser wurde es. Nach der Hälfte war ich völlig fertig. Natürlich wusste ich nicht, wie weit es noch war, das hat mental noch geschlaucht. Weit und breit kein schattiges Plätzchen. Zum Glück war es nicht mehr sooo weit und am Ende gab es noch eine schöne schattige Ecke, wo man sich hinsetzen und die Landschaft geniessen konnte. Aber die Blicke auf den Felsen waren die ganze Strapaze wert! Trotzdem würde ich nächstes Mal doch früher aufstehen - oder im Winter wiederkommen!
Anschliessend bin ich nach Alice Springs gefahren (450 km), wo ich gestern angekommen bin. Habe gleich in meinem Zimmer eine Deutsche aus Berlin getroffen und wir haben uns über Deutschland ausgetauscht. Für sie war Alice Springs ein ödes Kaff am Ende der Welt, und für mich die kosmopolite Grossstadt mit drei Supermärkten, diversen internationalen Restaurants - was braucht der Mensch mehr?? Dann habe ich noch ein paar Jungs belauscht, natürlich auch aus Deutschland, die sich gegenseitig erzählt haben, wie toll sie illegal gearbeitet haben oder sich haben über den Tisch ziehen lassen etc… Ob die wohl mit einer Organisation unterwegs waren ;-) ?
Nun bin ich zwei Tage hier, um mir die Gegend anzuschauen und mich ein bisschen zu erholen. Man merkt bereits, dass der Herbst vor der Tür steht, nachts war es bereits bedeutend erfrischender als am Uluru, und heute weht eine erfrischende Brise bei um die 35 Grad. Wahrscheinlich werden die Einheimischen morgen nach ihren Pullovern suchen!