Mon 6 Mar 2006
Angekommen im Northern Territory!!! Seit meinem letzten Eintrag verlief mein Leben wie folgt:
Habe in der Nähe von Jamestown am Fusse der Flinders Ranges 10 Tage gewwooft bei Ian und Kay. Das war wieder länger als beabsichtigt, aber es war so schön da und es gab so viel zu tun! Die beiden haben eine bio-dynamische Farm und bauen Getreide an und halten mehrere hundert Schafe. Das Haus war ca. 25 km von der “Stadt” entfernt. Die Nachbarn mindestens 2 km entfernt. Um das Haus herum gab es nur Stille, den Wind in den Bäumen und ab und zu mal Schafgeblöke. So schön! Endlich war es auch angemessen heiss, und zwar ständig, und nicht nur für ein oder zwei Tage.
Ich habe unter anderem auf der Farm geholfen Zäune aufzustellen, bin einen Tag Traktor gefahren und habe ein Feld gepfluegt, habe ein Lamm eingefangen… Am Donnerstag war in der Stadt Schafmarkt, ein grosser Markt, auf dem mehr als 25000 Schafe angeboten wurden und Leute von weither kommen, um zu verkaufen bzw. zu kaufen. Kay hat mich mitgenommen, damit ich sehen kann, wie das so funktioniert, und um nicht umsonst dorthin zu fahren, hat sie gleich noch ein paar Lämmer gekauft! 69 Stueck zu je 18 Dollar. Das ist nicht viel, die Lämmer waren sehr dürr und deswegen wollte keiner mehr Geld dafür bieten. Nun werden die Tiere aufgepäppelt und dann später an den Schlachter verkauft. Alles war sehr spannend. Abends haben wir die Schafe mit dem Trailer abgeholt und sie haben zum ersten Mal in ihrem Leben gruenes Gras gesehen… Wäre ich noch länger geblieben, hätte ich beim Schafe scheren zusehen und bestimmt auch mal Hand anlegen können, aber das wollte ich den armen Tieren dann doch nicht antun!
Letzten Montag bin ich schliesslich zu meiner letzten grossen Australien-Etappe aufgebrochen. Zunächst nach Coober Pedy (750 km). Dort habe ich in einem Hostel unter der Erde gewohnt, was sehr angenehm war. Bei 40 Grad über der Erde brauchte ich mittags dringend ein kühles Plätzchen zum Ausruhen. Unter der Erde sind es konstant 20-25 Grad. Natürlich gab es kein Halten und ich musste auf dem öffentlichen Feld nach meinem eigenen Opal suchen. Ich habe sogar ein paar klitzekleine Steine gefunden, einer funkelt recht schön! Danach war ich aber völlig fertig!
Nach zwei Nächten ging es weiter zum Ayers Rock a.k.a Uluru. Habe kurz vorher übernachtet, da es doch zu weit war (Tagesetappe: 800 km). Am nächsten Morgen war das Ayers Rock Resort dann nur noch 100 km entfernt. Wie erwartet war es sehr heiss. An dem Tag waren es 40 Grad im Schatten. Furchtbar. Kaum war die Wasserflasche weggepackt, war ich wieder durstig.
Uluru und die Olgas (Kata Tjuta) zu sehen war wirklich beeindruckend. Da steht einfach so ein roter Felsen mitten in der Sanddünenlandschaft!! Natürlich habe ich den Sonnenuntergang gesehen und den Sonnenaufgang am nächsten Tag (freiwillig um halb sechs aufgestanden). Spontan habe ich beschlossen, eine zweite Nacht zu bleiben, um auch die Olgas sehen zu können. Davon war ich aber ein bisschen enttäuscht, da man fast gar nicht direkt rankommt. Nur zwei Wanderwege am einen Ende der Felsengruppe gibt es, den einen habe ich der Hitze wegen nicht gemacht, und der andere führte in eine Schlucht und war ganz nett, aber man hat den Rest der Felsen von dort nicht sehen können.
Gestern morgen habe ich dann noch den Uluru umwandert. Einige Irre sind ja auf den Felsen hochgeklettert (ab 11 Uhr war der Aufstieg wegen der Hitze gesperrt). Mir hat das Umwandern (ca 10 km) schon gereicht. Morgens um acht waren es schon an die 30 Grad, und je höher die Sonne stieg, desto heisser wurde es. Nach der Hälfte war ich völlig fertig. Natürlich wusste ich nicht, wie weit es noch war, das hat mental noch geschlaucht. Weit und breit kein schattiges Plätzchen. Zum Glück war es nicht mehr sooo weit und am Ende gab es noch eine schöne schattige Ecke, wo man sich hinsetzen und die Landschaft geniessen konnte. Aber die Blicke auf den Felsen waren die ganze Strapaze wert! Trotzdem würde ich nächstes Mal doch früher aufstehen - oder im Winter wiederkommen!
Anschliessend bin ich nach Alice Springs gefahren (450 km), wo ich gestern angekommen bin. Habe gleich in meinem Zimmer eine Deutsche aus Berlin getroffen und wir haben uns über Deutschland ausgetauscht. Für sie war Alice Springs ein ödes Kaff am Ende der Welt, und für mich die kosmopolite Grossstadt mit drei Supermärkten, diversen internationalen Restaurants - was braucht der Mensch mehr?? Dann habe ich noch ein paar Jungs belauscht, natürlich auch aus Deutschland, die sich gegenseitig erzählt haben, wie toll sie illegal gearbeitet haben oder sich haben über den Tisch ziehen lassen etc… Ob die wohl mit einer Organisation unterwegs waren
?
Nun bin ich zwei Tage hier, um mir die Gegend anzuschauen und mich ein bisschen zu erholen. Man merkt bereits, dass der Herbst vor der Tür steht, nachts war es bereits bedeutend erfrischender als am Uluru, und heute weht eine erfrischende Brise bei um die 35 Grad. Wahrscheinlich werden die Einheimischen morgen nach ihren Pullovern suchen!