Wed 15 Mar 2006
Ich bin wieder in den Tropen angekommen! Und da es die Wet Season ist, regnet es hier ordentlich!
Nachdem ich Alice Springs verlassen habe, bin ich also weiter nach Norden gefahren. Zum fünften Mal auf meiner Reise habe ich den Wendekreis des Steinbocks überquert, die offizielle Grenze der tropischen Zone. Bereits in Alice war es ziemlich wolkig gewesen und man konnte deutlich sehen, dass es in der Gegend in letzter Zeit öfter mal geregnet hatte. Fast alle Flussläufe am Highway, die normalerweise trocken sind, waren mit Wasser gefüllt. Je weiter man nach Norden fuhr, desto mehr änderte sich die Vegetation: grünes Gras, grössere Bäume, Blumen am Strassenrand. Aufregend! In Tennant Creek war es dann schon ziemlich feuchtwarm, und Millionen von Insekten waren in der Nacht unterwegs. Grashüpfer, Motten, Käfer (brauche wohl die Schaben nicht zu erwähnen, oder?). Die Übernachtung in der ziemlich heruntergekommenen Jugendherberge war entsprechend ungemütlich, das Zimmer beherbergte eine grössere Zahl toter und lebender Insekten und die Klimaanlage (ohne Ausschalter) spuckte Insektenreste auf das obere Bett (habe natürlich unten geschlafen…war es Zufall, dass sonst keiner dort übernachten wollte??).
Tennant Creek als Stadt kann ich nicht weiterempfehlen, ich habe nichts sehenswertes entdecken können, und die Horden von Aborigines, die am Abend brüllend und trinkend durch die Strassen gelaufen sind, wirkten auch nicht besonders einladend.
Schnell weiter! Mittags begann es zu regnen. Nach ca. 350 km hörten die flachen niedrig bewachsenen Ebenen auf und links und rechts der Strasse gab es grüne Wälder und sumpfige Wiesen mit 2 m hohem Gras. Mataranka, ein kleiner Ort auf dem Weg nach Darwin und umgeben von Monsunwädern und Flüssen, war meine zweite Station. Die Mataranka Homestead mit Backpacker-Unterkunft liegt direkt an den Thermalquellen. Und dank der Wet Season waren fast keine Touristen da und ich hatte den Thermalpool abends für mich allein. Das Wasser hat eine Temperatur von 34 Grad, was einem bei 36 Grad Aussentemperatur FAST wie eine Abkühlung vorkommt! Abends habe ich noch ein paar Frösche gejagt: ein toller grosser grüner Baumfrosch lebte unter der Treppe, ein kleiner brauner Baumfrosch über dem Waschbecken und ein weiterer Frosch mit roten Augen hüpfte die Treppe rauf und runter. Süss!!! In meinem Zimmer habe ich zum Glück keine nennenswerten Tieransammlungen gefunden.
Morgens habe ich einer weiteren Quelle einen Besuch abgestattet, ein malerisches palmengesäumtes Flüsschen. Die Ozzis haben es sich nicht nehmen lassen, zwei bequeme Treppen einzubauen, damit man ohne Probleme ins Wasser kommt. Das Schwimmen war sehr entspannend, und ich fühlte mich definitive erfrischt, bis ich wieder draussen und trocken war und zu schwitzen anfing… Die einzigen anderen zwei Leute vor Ort waren natürlich Deutsche!
Am Freitagnachmittag bin ich dann in Batchelor angekommen. Dieser Ort liegt 80 km südlich von Darwin am Eingang zum Litchfield National Park, einer der beiden bekanntesten Parks im NT. Die Parkattraktion ist eine Reihe von idyllischen Flüssen und Wasserfällen, und die meisten davon sind krokodilfrei und damit zum Schwimmen/Abkühlen geeignet. Ich habe bereits einige Wasserfälle besucht, das Schwimmen ist sehr angenehm, und dank des stetigen Regens geht eine Menge Wasser den Bach bzw. die Wasserfälle runter! Die Sonne scheint im Moment kaum und an den meisten Tagen regnet es häufig, so dass es nicht allzu heiss und unangenehm ist. Die Temperatur liegt bei ca. 30 Grad tagsüber und 25 Grad nachts. Wenn die Sonne scheint, steigt die Luftfeuchtigkeit schlagartig auf ein unangenehmes Level an. Und man vergisst nie, dass gerade Regenzeit ist. Alles ist klamm, das Bettzeug, Klamotten, alles! Heute hatte ich zum ersten Mal seit Wochen wieder lange Hosen an, es wurde doch reichlich frisch (25 Grad), weil es den halben Tag geregnet hat und die Sonne überhaupt nicht schien!
Hier in Batchelor wwoofe ich bei Doug und Colleen. Sie haben nicht wirklich irgendwas mit organischer Landwirtschaft zu tun. Sie trocknen tropische Früchte wie Mango und Ananas und verkaufen sie portionsweise auf dem Markt in Darwin. Ausserdem stellen sie selbst Eiskrem her (kann ich jetzt auch, lecker, böse Falle!!!). Nebenbei unterhalten sie den örtlichen Waschsalon, und Colleen arbeitet in der Bücherei. Doug ist mehr so ein Hans-Dampf-in-allen Gassen und sucht nach Wegen, möglichst einfach möglichst viel Geld zu machen. Er hat ganz tolle Vorschläge, wie ich in Deutschland Geld verdienen kann. (Früchte trocknen, Schmuck verkaufen -ein Typ auf dem Markt in Darwin macht über 5000 Dollar pro Tag mit dem Verkauf billigen Schmucks-, Filme auf dem Campingplatz zeigen -Doug hat 500 Dollar pro Abend verdient-, Pizza verkaufen -der Stand auf dem Markt macht mindestens 800 Dollar pro Tag-… besonders erfolgreich, wenn man sich nicht um Gewerbeschein, Steuern oder Copyright kümmert!
Hier bleibe ich noch bis Freitag, dann steht Kakadu National Park auf dem Programm, anschliessend geht es weiter nach Westaustralien!