Vom Kakadu National Park habe ich mich also direkt Richtung Westaustralien aufgemacht, die Grenze war noch 900 km entfernt. Die berühmte Schlucht Katherine Gorge habe ich ausgelassen… Nach einer Weile Australien habe ich das Gefühl, Schluchten sind in Australien das, was Schlösser in Europa sind. Jede Stadt hat eine, und nach ein paar hat man die Nase gestrichen voll! Ein andermal.

Erste Station auf dem Victoria Highway zwischen Katherine und Kununurra war das Victoria River Roadhouse. Dieses liegt mitten im Gregory National Park, und ich war von der Schönheit der Landschaft spontan so beeindruckt, dass ich unbedingt hier übernachten wollte, auch wenn ich noch zwei Stunden hätte weiterfahren können. Ich bin ja an einigen Parks vorbeigekommen, aber ich fand diesen viel schöner als einige der beliebteren Parks. Wahrscheinlich ist die Ecke zu abgelegen, um viele Touristen anzuziehen! Wollt ihr jemals eine besonders schöne Gegend Australiens sehen, fahrt die Strasse zwischen Katherine und Kununurra!!! Für mich die schönste Strecke, die ich auf 40.000 km durch Australien entdeckt habe!

Am späten Nachmittag habe ich einen nahegelegenen Aussichtspunkt erklommen – im Schweisse meines Angesichts! Es war zwar nicht ganz so heiss/schwül wie in Darwin, aber es hat gereicht. Der Ausblick hat aber für alle Strapazen entschädigt. Wunderschöne rote Felswände, der Victoria River mittendrin. Dank der Regenzeit blühte es überall und das Speergras stand zwei Meter hoch. Schwärme von Kakadus hatten ein Festessen an den Grasrispen. Ich musste mich am Ende beeilen, dass ich vor Einbruch der Dunkelheit wieder am Auto war, so schön war es. Den Abend habe ich mit der Jagd nach Fröschen verbracht. Hinter der Unterkunft waren Fallen für die berüchtigten Cane Toads aufgestellt, die ich natürlich inspizieren musste. Die Kröten werden vom Licht angelockt, zusammen mit zahllosen Insekten und anderen, einheimischen Fröschen. Sie sollen dann durch die Insekten angelockt in die Falle hopsen. Ich musste allerdings einigen Biestern nachhelfen. Am Abend waren 15 Kröten gefangen. Morgens waren nur noch drei übrig!! Das war voll der Betrug! Die hatten ein Festessen und sind dann einfach wieder abgehauen. Hätte ich das gewusst, hätte ich den blöden Viechern einfach die Köpfe eingeschlagen!

Vom Victoria River Roadhouse waren es noch 170 km bis zur Grenze – 170 km voller schöner Ausblicke auf Bergformationen links und rechts der Strasse. Ein paar Kraniche kreuzten meinen Weg (=liefen über die Strasse). Hier wachsen ausserdem die Boab-Bäume, für die die nordwestliche Region bekannt ist. An der Grenze zu Westaustralien wurde mein Auto kontrolliert – zum einen auf Cane Toads (Westaustralien ist bisher frei von den Kröten, aber möchte es gerne bleiben.), zum anderen auf Lebensmittel. Die Einfuhr von Obst, Gemüse, Honig etc. ist verboten, damit keine Pflanzenschädlinge oder Krankheiten eingeschleppt werden.

Gleich an der Grenze thronte eine weitere rote Felsformation. Man kann es sich kaum vorstellen, aber es geht noch röter! Die Farben sind einfach überwältigend! Das muss man einfach mal gesehen haben, um es zu glauben. Ich wünschte, ich wäre bereits früher in die Gegend gefahren und hätte mehr Zeit hier in der Pilbara-Region verbringen können. Statt auf einer Erdbeerfarm im kalten Victoria hätte ich in einem Supermarkt hier oben arbeiten können. (Seufz.) Der bekannteste Nationalpark der Gegend, der Purnululu (besser bekannt als Bungle Bungle) National Park, war wegen der Regenzeit leider gesperrt. So bin ich weiter Richtung Broome gefahren (1130 km bzw. Zwei Tage Fahrt von Kununurra). Und hatte erst noch mal ein wenig Aufregung - bei voller Fahrt einen Platten – obwohl, platt war er eigentlich nicht, der Reifen, er ist mehr so explodiert und hat sich in Einzelteile aufgelöst. Zum Glück ist kaum Verkehr auf den Strassen hier oben und ich konnte das Auto ohne Unfall an der Seite zum stehen bringen. Fünf Minuten später kamen auch zwei Trucks vorbei, die gleich angehalten und mir geholfen haben, den Reifen zu wechseln. Einer der Trucks war in meine Richtung unterwegs und ist mit mir bis zum nächsten Ort (190 km entfernt) gefahren, wo ich mir erst mal sicherheitshalber einen neuen Ersatzreifen gekauft habe. An der Strasse waren es bereits 40 Grad in der prallen Sonne, und mittags im Ort fast 50. Nichts für schwache Gemüter, wo ich doch so schon völlig fertig war! Abends bin ich in Broome angekommen.

Broome war HEISS! Keine Wolken in Sicht, nur strahlender Sonnenschein bei fast 40 Grad. Das war zu viel für mich. Nachdem die Stadt nichts herzugeben schien und ich auch nicht besonders von Cable Beach beeindruckt war (UND in der Jugendherberge die Klimaanlage nur zwischen 21 und 7 Uhr funktionierte), habe ich mich nicht länger dort aufgehalten. Ich wollte nur noch nach Süden, in kühlere Gefilde. Habe von Schnee und Eis in Deutschland geträumt und von einer kalten Dusche. Seit den Wasserfällen im Litchfield National Park habe ich kein erfrischend kaltes Wasser mehr erlebt! Mein Plan war, am Ningaloo Riff in Exmouth und Coral Bay noch ein paar entspannende Tage zu verbringen. Exmouth war von Broome aus 1500 km (zwei Tage) entfernt…