Fri 7 Apr 2006
Der erste interessante Zwischenstopp von Broome aus war in Port Hedland. Die Region lebt vom Bergbau, und in Port Hedland wird das Eisenerz von Schiffen abtransportiert. Es gibt in der Stadt eigentlich nichts zu sehen. Alle Häuser haben einen interessanten rostbraunen Farbton, dank des Staubs, der in der Luft liegt. Die Jugendherberge dort fand ich sehr sympatisch – habe keine partygeilen Backpacker angetroffen, sondern nur zielstrebige junge Leute, die im Ort oder für eine der Bergbaufirmen arbeiten.
Der zweite Zwischenstopp war das Nanutarra Roadhouse – Exmouth war einfach zu weit entfernt und das lange Autofahren macht doch ganz schön schläfrig. Dieses Roadhouse war aber auch ein ziemlich einzigartiger Stopp! Der Ashburton River floss gleich nebenan vorbei und führte ziemlich viel Wasser. Dies führte dazu, dass es am Roadhouse Unmengen von Insekten (besonders Heuschrecken) und Frösche gab. Nichts für Leute, die keine Insekten mögen! Nach einem Gang zur Toilette musste man erstmal Dutzende von Heuschrecken von der Kleidung abschütteln, falls man sie nicht alle im Zimmer haben wollte! Nach Einbruch der Dunkelheit sassen Dutzende von kleinen Fröschen am Schaufenster des Shops, um die Insekten zu fressen, die vom Licht angelockt wurden. Auch die Telefonzellen beherbergten zahlreiche Frösche und Insekten. Mein Telefonat mit Lutz wurde immer wieder von meinen plötzlichen Aufschreien unterbrochen, wenn plötzlich eine Heuschrecke auf mir landete (einige waren ziemlich gross) bzw. mir gar unters T-Shirt krabbeln wollten. Es gab viele interessante Fotogelegenheiten… mehr davon noch mal bei Gelegenheit in meiner Fotogalerie!
In Exmouth bin ich am nächsten Tag mittags angekommen. Also Zeit genug, noch ein wenig die Strände zu erkunden. Das Wasser kam mir im Gegensatz zu Broome ganz schön frisch vor! In der Unterkunft habe ich – wie sollte es anders sein – ein paar Deutsche getroffen. Zwei bayerische Jungs hatten mich bereits in Broome im Hostel gesehen. Sie waren mit einem echten 4-Wheel-Drive unterwegs und hatten ein paar schöne Autopannen-Geschichten auf Lager. Ich habe sie dann noch einmal in Coral Bay wiedergetroffen, wie einige andere Leute auch… Australien ist halt klein!
In Exmouth war natürlich schnorcheln angesagt! Einen ganzen Tag habe ich im Nationalpark an der Küste verbracht und diverse Schnorchelstellen ausprobiert. Leider war es sehr windig (schlechte Sicht unter Wasser), aber wenigstens schien die Sonne. Es gab ein total cooles Strömungsschnorcheln – man schwamm vom Strand aus 100 Meter hinaus und konnte sich dann von der Strömung ein paar hundert Meter über Korallen und Fische treiben lassen. Man musste nur zusehen, dass man auch wieder an Land kam! Gegen die Strömung schwimmen war hier so gut wie unmöglich, ich habe es natürlich ausprobiert!
Exmouth ist eine echte kleine Stadt, mit zwei Supermärkten. Der Nachteil ist, dass man mindestens 50 Kilometer mit dem Auto fahren muss, um Schnorcheln zu können. Deswegen bin ich lieber weiter nach Coral Bay, 150 Kilometer üdlich, wo ich letztes Jahr bereits war. Coral Bay ist ja eigentlich kein Ort, nur ein paar Touristenunterk&uum;nfte und vier kleine Geschäfte. Dafür geht alles sehr gemütlich zu, man ist in wenigen Minuten an einem wunderschönen Strand ohne Brandung, und das Korallenriff verläuft nur ein paar hundert Meter vor der Küste. An einigen Stellen wachsen Korallen nur ein bis zwei Meter vom Strand entfernt!
Einen Tag hatte ich mir zum Ausruhen reserviert, ich bin ein bisschen geschwommen und geschnorchelt. Für den nächsten Tag hatte ich eine Bootstour gebucht, Schnorcheln am Aussenriff, Schwimmen mit Mantarochen sowie die Hoffnung, einen Walhai zu sehen. Was soll ich sagen – Geschichte wiederholt sich! Ein Wirbelsturm war im Anmarsch und laut Vorhersage war unsere Küste auf der Route des Sturms. Es war bereits sehr wolkig, und wurde immer windiger über Nacht. Ich hatte bereits vorhergesagt, dass meine Bootstour abgesagt wurde, und so war es dann auch! Die meisten Backpacker im Hostel sassen für die Dauer des Sturms fest; bereits in der Nacht zuvor wurde der Busservice Richtung Norden gestrichen und dann “am Tag vor dem Sturm” auch noch der nach Süden. Nach heftigen Regenfällen können die Strassen tagelang überflutet und damit unpassierbar sein.
Ich hatte keine Lust, tagelang bei schlechtem Wetter dort festzuhängen, es gibt schliesslich ausser schwimmen und schnorcheln nichts zu tun. Ich kam mir aber etwas schäbig vor, allein abzufahren, während etliche Leute gezwungen waren zu bleiben. So machte ich mich zunächst auf die Suche nach Sigrid, einer bayerischen Kripo-Beamtin, mit der ich mich am Vorabend nett unterhalten hatte (stellt euch vor, ich hätte jetzt auch Kripobeamtin sein können!!). Ich wusste weder ihren Namen noch ihre Zimmernummer, aber als Beinahe-Polizistin hat mich das natürlich nicht aufgehalten. Ich habe sie schliesslich im Zimmer gegenüber meines gefunden. Leider war sie nicht in der Lage, spontan nach meinem abrupten Weckservice eine Entscheidung zur Abreise zu treffen. Als nächstes habe ich einen Typen gefragt, der in zwei Tagen in Perth sein musste. Andreas (natürlich auch ein Deutscher!) hat mir dann zwei Tage im Auto Gesellschaft geleistet. Wir waren nicht die Einzigen, die auf der “Flucht” vor dem Zyklon namens Glenda waren… Kurz nach der Abreise aus Coral Bay waren wir Zeuge eines ziemlich schlimmen Autounfalls. Wir hatten gerade ein Auto mit Campinganhänger überholt, hinter uns folgte ein Road Train (riesiger LKW mit zwei Anhängern). Der Campinganhänger schwankte so schon im Wind hin und her, und entweder wurde der Anhänger dann vom Luftsog des LKW erfasst oder der Fahrer wollte ausweichen und hat auf dem Seitenstreifen die Kontrolle verloren. Als nächstes sah ich im Rückspiegel, wie sich Auto samt Anhänger überschlugen. Der LKW hatte natürlich nichts gemerkt, aber ich konnte ihn zum Anhalten bringen. Hinter uns hatten bereits zwei weitere Fahrzeuge an der Unfallstelle angehalten (es waren dank des Sturms viel mehr Autos unterwegs als gewöhnlich). Handyempfang gab es natürlich keinen, wir mussten noch 25 Kilometer bis zum nächsten Roadhouse fahren, um einen Krankenwagen anzufordern. Mein Bedarf an Aufregung it erstmal gründlich gedeckt, und ich war ziemlich froh, dass ich nicht allein im Auto war. Leider wissen wir nicht, ob die Leute im Unfallwagen ok sind, der Unfall hat es nicht in die Medien geschafft. Krankenwagen, Feuerwehr und Kranauto kamen uns nach einer weiteren Stunde Fahren entgegen, da Coral Bay nicht über eigene Rettungsfahrzeuge verfügt, diese mussten aus dem 220 km entfernten Carnarvon kommen.
Und apropos Aufregung, das hatte ich noch gar nicht erwähnt, aber am Tag zuvor war in Coral Bay auch noch ein Backpacker ertrunken. Einfach abgegluckert beim Schnorcheln mit seiner Freundin! Und es hat Stunden gedauert, bis sie ihn gefunden haben. Habe in der Nacht ziemlich schlecht geschlafen.